Ergo 37 - die Ergotherapie-Praxis in Bramsche-Hesepe

Die Ergotherapie in der Geriatrie

Geriatrie allgemein

Die Altersheilkunde umfasst ein ausgedehntes Spektrum an altersbedingten Gebrechen im körperlichen, geistigen, funktionalen und sozialen Bereich. Es gibt eine Vielzahl an möglichen akuten und chronischen Krankheitsbildern wie Schlaganfall, Parkinson, Multiple Sklerose, Rheuma, Arthrose, Alzheimer-Demenz und verschiedene Herz- Kreislauf- Erkrankungen die das Leben älterer Patienten erheblich beeinträchtigen können. Nicht selten leiden ältere Menschen an mehreren Erkrankungen gleichzeitig. Hinzu kommen oft das Nachlassen der Funktion der Sinnesorgane, die Gefahr der Vereinsamung und der Verlust der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Ziel der Ergotherapie ist es in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten und den Angehörigen, dem Patienten eine gewisse Lebensqualität zu erhalten, oder zurück zu geben. Die Therapie wird individuell auf jeden Patienten zu geschnitten und kann folgender Maßen aussehen:

  • Förderung der Fein- und Grobmotorik
  • Erhaltung der Grundmobilität
  • Aktivierung und Förderung geistiger Fähigkeiten(Gedächtnis, Konzentration)
  • Erhaltung oder Wiederherstellung größtmöglicher Selbstständigkeit im alltäglichen Leben
  • Erhaltung der Kontaktfähigkeit, Kommunikation und Orientierung
  • Psychische Stabilisierung und Hilfe bei seelischen Problemen

Die geriatrische Therapie in der Ergotherapie will fördern, fordert dazu die Mitarbeit des Patienten, will Fähigkeiten verbessern, zumindest erhalten und nicht verkümmern lassen. Auch versuchen wir den gesamten Menschen, einschließlich seiner soziemotionalen Bezüge in die Therapie mit ein zu beziehen. Alles was die Selbstständigkeit und die Selbstbestimmung bedrohen bedarf unserer vollen Aufmerksamkeit.

Demenz

Ein großer Arbeitsbereich der Ergotherapie in der Geriatrie betrifft die Demenz. Etwa die Hälfte aller Frauen und ein Drittel der Männer erkrankt im Alter an ihr. Demenz ist ein Oberbegriff verschiedener Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik. Unterteilt wird in die irreversible primäre Demenz mit hirnorganischer Ursache und der teilweise heilbaren sekundären Demenz verursacht durch verschiedene Organerkrankungen. Zur primären Demenz zählen unter anderem die Alzheimer Demenz, die vaskuläre Demenz, Morbus Parkinson und Morbus Pick. Ursachen für eine sekundäre Demenz können Vitaminmangel, Stoffwechselstörungen, Anämie, Sauerstoffmangel, Herz-Kreislauf Erkrankung oder eine Infektion sein. Wichtig ist die frühzeitige Erkennung auch durch die Angehörigen. Sie kennen den Patienten und nehmen Veränderungen früh wahr. Eine Demenz im Frühstadium zu erkennen ist nicht ganz einfach. Indikatoren können sein:

  • Eine Person wiederholt immer wieder dieselbe Frage
  • Sie wiederholt ständig die gleiche kurze Geschichte
  • Sie weiß nicht mehr, wie bestimmte alltägliche Verrichtungen funktionieren(Kochen, TV-Fernbedienung, Kartenspiel)
  • Sie hat den sicheren Umgang mit Geld, Überweisungen und Ähnlichem verloren
  • Sie findet viele Gegenstände nicht mehr oder legt sie an ungewöhnliche Plätze (unabsichtliches Verstecken) und verdächtigt andere Personen, den vermissten Gegenstand genommen zu haben
  • Sie vernachlässigt anhaltend ihr Äußeres, bestreitet dies aber
  • Sie beantwortet Fragen, indem sie die ihr gestellte Frage wiederholt

Durch verschiedene neuropsychologische Tests lässt sich eine Demenzerkrankung recht einfach diagnostizieren und damit der Verdacht bestätigen oder widerlegen.

Therapiemöglichkeiten der Ergotherapie

Gerade in der Demenztherapie erzielt die Ergotherapie positive Effekte. Sie verbessert die Lebensqualität und den Gemütszustand des Patienten. Dies ist belegt durch wissenschaftliche Berichte im Health-Technologie-Assessment des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Die Therapie muss an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden, Schwerpunkte hierbei sind die Entlastung der Patienten und deren Angehörige im täglichen Leben. Die Ergotherapie kann dazu beitragen, dass Demenzpatienten bis zu 1 ½ Jahre später in ein Pflegeheim müssen und können Kosten sparen, da die ergotherapeutischen Maßnahmen den medizinisch-pflegerischen Aufwand reduzieren. Die Therapie beinhaltet:

  • Mobilitätstraining
  • Selbsthilfetraining
  • Hirnleistungstraining
  • Motivation
  • Beratung bei der Auswahl der richtigen Hilfsmitteln
  • Hilfsmitteltraining
  • Beratung der Angehörigen
  • Beratung im häuslichen Umfeld

Jede Therapieeinheit wird individuell nach den aktuellen Bedürfnissen des Patienten gestaltet, je nach Tagesform des Patienten, die häufig schwankend ist. Wir handeln nach der Vorgabe „Man muss den Patienten da abholen, wo er steht.“ Nur so kann sich der Patient angenommen und aufgehoben fühlen. Eine möglichst hohe Lebensqualität und Selbstständigkeit zu bewahren, ist das Ziel unserer Arbeit. Wir fördern gezielt vorhandene Fähigkeiten, um sie möglichst lange zu erhalten, dazu gehört es auch den Angehörigen unterstützend zur Seite zu stehen, sie zu informieren und sie im Umgang mit dem Betroffenen anzuleiten.

Zurück