Ergo 37 - die Ergotherapie-Praxis in Bramsche-Hesepe

Die Ergotherapie nach dem Schlaganfall
Die Ergotherapie während und nach einer Chemotherapie

Die Ergotherapie nach dem Schlaganfall

Was ist ein Schlaganfall?

Hirnversorgende Blutgefäße "platzen" oder "verstopfen", dadurch ist die Sauerstoffversorgung unterbunden und wichtige Hirnfunktionen fallen aus. Charakteristisch ist in beiden Fällen sind Lähmungen, sensorische Störungen einer Körperhälfte sowie Seh- und Sprachstörungen.

Die Gesichtslähmung ist der halbseitige Ausfall der Gesichtsmuskeln. Da Wange und Mund besonders stark betroffen sind, treten meistens große Schwierigkeiten beim Sprechen, Kauen und Schlucken auf.

Sprachstörungen treten in verschiedenen Formen auf, wobei die körperlichen Voraussetzungen zum Sprechen und die Intelligenz erhalten sind: Der Patient kann hören und verstehen aber nicht sprechen. Der Patient kann sprechen aber nicht verstehen. Der Patient findet die Worte, die er sprechen will, nicht, kann aber einen angebotenen und zutreffenden Begriff fehlerfrei nachsprechen. Der Patient hat zu den Sprachstörungen auch die Fähigkeit zu lesen, Schreiben und rechnen verloren.

Erkennungsstörungen beeinträchtigen, trotz funktionsfähiger Sinneswahrnehmung, die Fähigkeit, Gesehenes, Gehörtes und Ertastetes wiederzuerkennen.

Koordinationsstörungen verhindern das zielgerichtete Ausführen von Bewegungen, weil die Verbindungen zu verschiedenen Bewegungszentren gestört sind. So kann zwar eine bestimmte Bewegung geplant werden, ihre Ausführung aber wird dann mangelhaft sein oder verwechselt werden.

Sehstörungen äußern sich meistens in Ausfällen der Blickfelder beider Augen. Diese Teilblindheit schränkt die Bewegungsfähigkeit ein; der Patient stößt mit der blinden Körperseite häufig an Hindernisse an.

Verlust der Kontrolle über Blasen- und Darmtätigkeit tritt meist im Akutstadium auf, bessert sich dann aber mit zunehmender Mobilität und der Rückkehr des Patienten in seine vertraute Umgebung.

Körperschemastörungen sind eine besondere Erscheinungsform der Halbseitenlähmung. Durch den Verlust der Orientierung im Raum und das Verschieben der Körpermittellinie zur betroffenen Seite verlagert sich das Gewicht, und der Patient stürzt. Das zeigt sich besonders häufig bei linksseitiger Körperlähmung.

Nicht alle diese Begleiterscheinungen des Schlaganfalles treten bei jedem Patienten auf. Entscheidend sind auch hier die Art und der Schweregrad der Ausfälle und die Bedeutung der betroffenen Stelle im Gehirn. Leichte Schlaganfälle hinterlassen häufig kaum merkbare Behinderungen, die der Betroffene, besonders in jüngeren Jahren, bis zur fast völligen Wiederherstellung ausgleichen kann. Mehr als 80 % der Patienten konnten nach einem mittelschweren Schlaganfall nach relativ kurzer Zeit wieder gehen, während der Gebrauch der betroffenen Hand oft erst nach langem, intensivem Üben wieder hergestellt werden konnte.

Immer ist für den Erfolg der Wiederherstellung der frühzeitige Beginn einer ergotherapeutischen und physikalischen Therapie die wichtigste Voraussetzung.

Was kann jetzt die Ergotherapie in einem solchen Fall tun?

Alltägliche Beschäftigungen, wie z. B. Anziehen, Einkaufen, Waschen, oder Zähne putzen müssen viele Schlaganfall-Patienten erst wieder lernen. Oftmals sind die körperlichen Einschränkungen so groß, dass selbst einfachste Tätigkeiten wie das Anziehen einer Hose nicht mehr ohne Hilfe zu bewältigen sind. Auch wissen einige Patienten nicht mehr, ob sie z.B. zuerst den Pullover oder zuerst das Hemd anziehen müssen. An dieser Stelle hilft dann die Ergotherapie mit praktischem Training. Alltägliche Handlungen werden wieder erlernt, z. B. das Kaffee Kochen (Kaffe aus dem Schrank holen, Kaffeemaschine mit Wasser füllen, Filter und Kaffee einlegen, anschalten).

Der Ergotherapeut berät auch bei Hilfsmitteln, die benötigt werden (z. B. Rollator, Badewannenlift o.ä.). Er macht auch den Patienten und die Angehörigen damit vertraut, um Fehler durch unsachgemäße Handhabung zu vermeiden.

Wir haben in unserer Praxis bereits solche Übungsgeräte selbst hergestellt, die für den Patienten zwar sehr hilfreich sind, aber leider am Markt nicht angeboten werden.

Der Ergotherapeut schaut sich auch die Wohnung in Hinsicht auf die Barrierefreiheit an und rät ggf. zu baulichen Maßnahmen (z.B. Toilettenerhöhung, ebenerdige Dusche).

Es funktionieren manchmal überraschend einfache Hilfsmittel, zu denen vom Therapeuten geraten werden kann (z.B. kann eine Grillzange zur Greifzange werden).

Die Ergotherapie ist nur ein Teil der multimodal ablaufenden Rehabilitation eines Patienten. Sie zielt darauf ab, dem Patienten durch einfache Übungen und Anleitungen zu mehr Selbständigkeit zu verhelfen. Sie kann aber auch die Häufigkeit von schwerer Hilfsbedürftigkeit oder Tod nach einem Schlaganfall verringern. Die Ergotherapie senkt oft das Risiko für eine Verschlechterung der körperlichen Einschränkungen. Gleichzeitig kann sie die Selbstständigkeit und die Fähigkeit zur Alltagsbewältigung verbessern.

Die Ergotherapie während und nach einer Chemotherapie

Erkrankungen des peripheren Nervensystems (Neuropathien) gehören zu den häufigen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Symptome wie Missempfindungen, Taubheitsgefühl, Muskelschwäche oder Koordinationsstörungen sind derzeit medikamentös nicht oder nur unzureichend therapierbar.

Therapie im häuslichen Umfeld

Einzelbeobachtungen zufolge gehen Missempfindungen und brennende Schmerzen nach der regelmäßigen Anwendung von u.a. der Ergotherapie zurück (Quelle: DKFZ/Krebsinformationsdienst).

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